Geschichte des AbendgymnasiumsFangen wir mit dem Ende an, das aber nur ein formales Ende ist. Die EingliederungAm 1. Februar 2010 wurde das Abendgymnasium Wuppertal in das sich im gleichen Gebäude befindliche Bergische Kolleg eingegliedert und hörte somit formal auf zu bestehen. Faktisch bestehen wir als abendgymnasialer Bildungsgang im Bergischen Kolleg weiter. Insbesondere bestehen für Sie als Studierende weiterhin die gleichen Möglichenkeiten, am Abend zu einem der gewünschten Abschlüsse zu gelangen. Die letzte große Feier als AbendgymnasiumIm Jahr 2008 wurde das Abendgymnasium 60 Jahre alt, ein für den 2. Bildungsweg beachtenswertes Alter. Die swar Anlass für eine große Feier. Ehemalige und aktuelle Studierende, ehemalige und aktuelle Lehrer, die Dezernentin, alle waren zu einem großen Fest am 30. Mai 2008 gekommen. Die Bilder gibt es weiterhin hier.
Von den Anfängen des Abendgymnasiums - 1. Abiturklasse 1951 Von 105 Bewerbern nur 31 zugelassen
"Über die Gestaltung des Wuppertaler Abendgymnasiums, das am 3. Mai seinen Betrieb eröffnen wird, sieht man jetzt klarer, nachdem die Prüfungen und Vorbereitungen technischer Art beendet sind. Angemeldet hatten sich 105 Personen, zugelassen sind 31, darunter 5 Frauen. Vier Teilnehmer sind bereits verheiratet. Im Alter von 18 bis 20 Jahren stehen 18 junge Menschen, die Jahrgänge bis 28 Jahren sind mit eins bis drei Personen vertreten. Einer - eine Ausnahme - ist bereits 39 Jahre alt. Interessant ist auch die Berufsgliederung.
Die Arbeiter- und Angestelltenschaft ist mit 20 Köpfen vertreten. Der sozialen Struktur nach kommen 24 aus der Arbeiter- und Handwerkerschaft, vier Eltern sind selbständige Kaufleute, einer Arzt und einer Ingenieur. An Vorbildung besitzt die weitaus größte Zahl abgeschlossene Volksschul- bzw. Mittelschulbildung. Das entspricht auch ganz dem Wunsch der Anstaltsleitung. An "gescheiterten höheren Schülern", die doch nur als Ballast durchgeschleppt würden, hat man kein Interesse.
In der eingehenden schriftlichen und mündlichen Prüfung, bei der weniger Wert auf Kenntnisse gelegt wurde, die über die Volksschulbildung hinausgingen, sondern die lediglich eine Intelligenzprüfung war und die Frage nach dem logischen Wissen stellte, ergab sich, daß der geistige Horizont erfreulich hoch war. Nun kommt zuerst eine Bewährungszeit von einigen Monaten und dann wird eine endgültige Prüfung feststellen, ob die Teilnehmer geeignet sind, den schwierigen Weg, der vor ihnen liegt, in den nächsten drei Jahren auch durchzuhalten.
Es ist klar, daß der riesige Arbeitsstoff eines neunstufigen Gymnasiums mit zwei Fremdsprachen (Latein und Englisch) ungemein hohe Anforderungen stellt, die neben der Berufsarbeit bewältigt werden sollen. Nur die Qualifiziertesten werden das Ziel erreichen und man kann schon von einem gelungenen Versuch sprechen, wenn 30% durchstehen. "Es muß", so sagt uns der Leiter, Direktor Dr. Neuhaus, "für jeden Schüler eine Ehre sein, das Abendgymnasium absolvieren zu können". Die willensmäßige Charakterbildung und die Persönlichkeitsgestaltung ist von ausschlaggebender Bedeutung.
Außer Dr. Neuhaus werden 6 Studienräte die Ausbildung leiten, und zwar nebenamtlich. Der Schulbetrieb läuft von montags bis freitags von 18 bis 20.15 Uhr, der Samstag und Sonntag sind frei. Diese Tage sollen zur Wiederholung und Vorbereitung von den Schülern selbst benutzt werden. Jedenfalls müssen sich alle Teilnehmer darüber im Klaren sein, daß sie für die nächsten drei Jahre auf ein gemütliches Privatleben zu verzichten haben. "
(Rhein-Echo vom 29.April 1948)
|